Zentralverwaltungswirtschaft

Im Gegensatz zu marktwirtschaftlichen Systemen werden in Zentralverwaltungswirtschaften wesentliche Allokationsentscheidungen von einer Verwaltung (Staat, Unternehmenszentrale) zentral getroffen. Die - zumindest weitgehende - Vorhersagbarkeit der Planungsergebnisse ist notwendige Voraussetzung des dauerhaften Funktionierens von Zentralverwaltungswirtschaften. Der wirtschaftliche Zusammenbruch zentralverwaltungswirtschaftlich organisierter Staaten Ende der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wird wesentlich dem Fehlen dieser notwendigen Bedingung zugeschrieben (Anmaßung von Wissen). Die Zentralverwaltungswirtschaft entstand im 18. Jahrhundert.

Umgangssprachlich wird für Zentralverwaltungswirtschaft oft der eigentlich weniger bestimmte Begriff Planwirtschaft synonym verwandt. Dies ist aber missverständlich, da zum Beispiel auch in marktwirtschaftlich organisierten Systemen geplant wird. Die Planungsebene bzw. der Akteur der Planung unterscheidet sich jedoch fundamental: In marktwirtschaftlichen Systemen planen die Wirtschaftssubjekte für ihren Einflussbereich, wobei der Staat ebenfalls ein Wirtschaftssubjekt darstellt; die Ergebnisse des Wirtschaftens ergeben sich durch Zusammentreffen der Ergebnisse von Planung auf dem Markt und sind ex ante nicht oder nur sehr begrenzt vorhersagbar.

Die Ideologie des ("marxistisch-leninistischen") Sozialismus propagiert die Wirtschaftsform der Zentralverwaltungswirtschaft auf Staatsebene. Bisher ging jeder Versuch, diese Form des Wirtschaftens einzuführen, über kurz oder lang schief, da diese Form des Wirtschaftens nicht leistungsfähig genug ist. In der Volksrepublik China und in der Sowjetunion hat die Umstellung auf die Zentralverwaltungswirtschaft bzw. die ideologisch motivierte Erfüllung von durch Staats- und Parteifunktionäre bestimmten Plänen (Fünfjahrpläne) große Hungersnöte herbeigeführt. Zudem etablierte sich neben der Staatswirtschaft noch eine große Schattenwirtschaft für banale Gebrauchswaren wie z. B. Seife, Kleidung, Schokolade und dergl. mehr.

Inhaltsverzeichnis

Probleme der Zentralverwaltungswirtschaft

Innovationsträgheit auf Betriebsebene

Die Anreize des Wirtschaftssystems bestehen in Prämien für Planerfüllung/Planübererfüllung. Jede Innovation beinhaltet jedoch 1) das Risiko des Scheiterns (gar keine Planerfüllung) und 2) das Risiko des zeitweisen Produktionsrückganges während die neue Technik getestet und den Arbeitern gelehrt wird. Damit wäre die Planerfüllung in Gefahr und somit auch die Prämien. Als Konsequenz wurden auf Betriebsebene selten Innovationen eingeführt, dies führt letztlich jedoch zu einem geringen Produktivitätswachstum.

Streben nach weichen Plänen

Die Pläne der Wirtschaft werden zwar von übergeordneten Stellen erstellt, diese sind jedoch auf Angaben der Betriebe angewiesen. Aus diesem Prinzipal-Agent Problem ergibt sich ein Streben der Betriebe nach weichen Plänen, also Vorgaben, die für sie leicht erfüllbar sind. Sie wollen niedrige Planziele und eine möglichst hohe Ressourcenzuteilung. Durch die hohe Ressourcenzuteilung bilden sich Horte für den Notfall, damit bei Engpässen die Planerfüllung doch klappt. Durch die Hortungstendenzen bei Rohstoffen, Arbeitskräften, Kapital (Maschinen) ist die Inputproduktivität, die Arbeiterproduktivität und die Kapitalproduktivität niedriger als im Kapitalismus.

Weiche Budgetbeschränkung

In der Marktwirtschaft hat ein Betrieb einen kleinen Budgetrahmen und hohe Ausgaben, so muss er sparen, sonst geht er pleite. In der Zentralverwaltungswirtschaft kommt es bei Betrieben vor allem auf die Planerfüllung an, Gewinne und Verluste werden an den Staatshaushalt abgeführt. Es gibt daher keine finanzielle Barriere gegen den Aufbau von Horten, deswegen wird soviel an Arbeitskräften, Rohstoffen und Anlagekapital angefragt, wie es möglich ist. Es kommt zu Mangelwirtschaft.

Außenhandelsmonopol

Aufgrund der Mangelwirtschaft und der oft in der Zentralverwaltungswirtschaft bestehenden technischen Rückständigkeit besteht ein permanenter Sog nach Importen aus marktwirtschaftlichen Ländern. Um diesen Importdurst zu bremsen, haben die meisten Zentralverwaltungswirtschaften ein Außenhandelsmonopol. Die Firmen werden so jedoch von Stimmungen, Wissen und Tendenzen des Weltmarktes abgeschirmt.

Kapazitäten zum Planen sind nur begrenzt

Falsches Preissystem

Zur Planung in Zentralverwaltungswirtschaften werden meist berechnete Kostenpreise benutzt, diese entstehen nicht aufgrund eines Marktmechanismus, sondern geben die Kosten der Herstellung wieder. Dies führt allerdings zu der absurden Situation, dass unrentabel hergestellte Waren besonders teuer sind und dem Betrieb besonders viel Geld einbringen. Es gibt daher keinen Zwang zur Modernisierung und Rationalisierung. Zusammen mit subventionierten Endverbraucherpreisen und eigenen Außenhandelspreisen ist das Preissystem daher undurchschaubar.


Siehe auch: Sozialistische Umgestaltung der ostdeutschen Wirtschaft.

Literatur

See also: Zentralverwaltungswirtschaft, Allokation, Ex ante, Friedrich Hayek, Fünfjahrplan, Markt, Marktwirtschaft, Marxismus-Leninismus, Planwirtschaft, Prinzipal-Agent-Theorie