Zielkostenrechnung

Die Zielkostenrechnung (englisch Target Costing) ist ein Instrument des Controlling und hat sich als strategische Entscheidungshilfe auf wettbewerbsintensiven Märkten bewährt. Anwendung findet sie vor allem bei der Produktneuentwicklung. Das Target Costing versucht, eine Kundenorientierung hinsichtlich des Preises zu verwirklichen. Das Konzept wurde in der japanischen Wirtschaft in den 1970er Jahren begründet und erfuhr besonders in den 90ern eine breite theoretische Fundierung auch in der westlichen Betriebswirtschaftslehre.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Das Konzept des Target Costing wurde in den 1970er Jahren maßgeblich von den drei japanischen Wissenschaftlern Michiharu Sakurai, Toshiro Hiromoto und Masayasu Tanaka geprägt. Einer der ersten deutschen Betriebswirte, der sich mit diesem Thema beschäftigt hat, ist Peter Horváth, und am eingehendsten wohl Werner Seidenschwarz.

Grundkonzept

Siehe auch: Genka Kikaku, Kaizen

Phasen des Target Costing

In der betriebswirtschaftlichen Literatur gibt es mehrere Ansätze zur Unterteilung der Phasen des Target Costing Prozesses. Als Anschauungsbeispiel dient der 3-stufige-Ansatz (Zielkostenfestlegung, –spaltung und –erreichung).

Zielkostenfestlegungsphase

Zweck der Zielkostenfestlegung ist es, die Gesamtkosten eines Produktes festzusetzen, die im Unternehmen verursacht werden dürfen. Dabei hängt die Festlegung der Höhe der Zielkosten von der Marktsituation und der Unternehmensstrategie ab. In der Reinform und in der eingehenden Literatur wird empfohlen, die Zielkosten gleich den erlaubten Kosten zu setzen, also den Markt in das Unternehmen zu ziehen ("Market into company"). Dieses Verfahren wird aber lt. eingehenden empirischen Überprüfungen weder in der deutschen noch in der japanischen Wirtschaft am häufigsten verwendet.

Weitere Ansätze:

In der Praxis sind meist keine Reinformen dieser Ansätze zu finden. So werden meist Zielkosten festgelegt, die zwischen den Standardkosten und den erlaubten Kosten liegen. Dadurch ist eine Kostenreduktion auf Seiten der Entwicklung bei realistischen Zielen sichergestellt.

Zielkostenspaltungsphase

Mit Hilfe der Zielkostenspaltung wird die Aufgliederung der Gesamtzielkosten auf eine bestimmte Ebene erreicht, da eine Zielkostenvorgabe auf Gesamtproduktebene zu undifferenziert wäre, um die Zielkostenerreichung effektiv abstimmen und erreichen zu können. Die Zielkostenspaltung hat aus zwei Gründen eine sehr hohe konzeptionelle Bedeutung für die Target Costing Anwendung. Zum einen geben die Zielkosten ein realistisches Bild von der ressourcenmäßigen Inanspruchnahme der Funktionsbereiche im Unternehmen ab. Zum anderen besteht die Schwierigkeit darin, durch eine marktbegründete Zuweisung der Ressourcen gleichzeitig eine Produktfunktionalität sicherzustellen, die mit den Kundenwünschen in Übereinstimmung steht. Die Kostenspaltung kann auf Komponenten- und Funktionsebene erfolgen. Die Ergebnisse können graphisch anhand eines Zielkostenkontrolldiagramms abgebildet werden. Darin werden die kundenbewerteten Nutzen den Standardkosten jeder einzelnen Komponente gegenübergestellt. Im Folgenden ein anschauliches Beispiel zur Erläuterung.

Anwendungsbeispiel

Zielkostenerreichungsphase

Der Erfolg des Target Costing liegt besonders in der Phase der Zielkostenerreichung, in der ein abgerundetes und ausgewogenes, marktorientiertes und innovatives Konzept erzeugt wird, mit dem die japanische Wirtschaft und letztendlich das Target Costing erfolgreich ist. Dieser Erfolg setzt voraus, dass den Verantwortlichen im TCing-Prozess die erforderlichen Instrumente und Methoden zur Erreichung der Kostenvorgaben zur Verfügung stehen. Dazu werden Kosteninformationshilfsmittel benötigt, die auf Basis geringer Eingangsinformationen in frühen Phasen des Produktinnovationsprozesses aussagekräftige Informationen liefern. Diese Hilfsmittel oder Instrumente zur Zielkostenerreichung, die eine differierende Wirkung auf die Analyse-, Planungs- und Realisierungsphase besitzen, sind vielfältig und können technologischen, produkt-/prozessbedingten oder organisatorischen Charakter haben.

Mitarbeitereffekt

Die Zielkostenrechnung kann auch eine Reorganisation im Unternehmen zur Folge haben. So kann in einem multinationalen Unternehmen eine bestimmte Aufgabe (z.B ein "Motor zu Kosten von 4.900 Euro") an verschiedene Einheiten, etwa Werke in verschiedenen Ländern, gleichzeitig gestellt werden.

Der Effekt auf die Mitarbeiter wurde von Grindt (1997) als eine ständige Bewegung des "Bietens und Unterbietens" gesehen. Die Mitarbeiter werden durch diese Neuorganisation der Arbeit, Cooper (1998) spricht hier von einem neuen "Konzept unternehmerischer Herrschaft", miteinander in Konkurrenz gesetzt. Die Beschäftigten werden zum unternehmerischen Denken angehalten und befinden sich nach Glißmann (2001) in einem Prozess der "Selbstverstärkung und Selbstbeschleunigung":

Chancen und Risiken des Target Costing-Konzepts

Die Notwendigkeit des Kostenmanagements von Anfang an resultiert aus der Erkenntnis, dass nicht unerhebliche Anteile (etwa 85 %) der gesamten Kosten über den Lebenszyklus bereits durch Entscheidungen in den frühen Phasen festgelegt werden. Schafft es ein Unternehmen frühzeitig Instrumente zu managen und die Markterfordernisse in den Produktentwicklungsprozess mit einzubeziehen, bestehen große Kostenreduktionspotentiale, die nicht unbedingt mit einer Qualitätsreduktion einhergehen müssen. Nicht nur viele japanische Unternehmen schaffen es mit Target Costing ihre Durchschnittskosten bei steigender Qualität konstant zu senken. Um ein Scheitern zu vermeiden muss unbedingt der entsprechende Rahmen für eine hinreichende Entfaltung des Konzepts geschaffen werden. Die Frage, mit welcher Genauigkeit und Zuverlässigkeit der strategische Marktpreis, insbesondere bei hochgradig innovativen Produkten, im Voraus ermittelt werden kann, ist noch nicht hinreichend beantwortet. Weiterhin existiert keine eindeutige wissenschaftliche Definition über die Phasen des Target Costings. Die Wissenschaft diskutiert eher Modelle, die die Praxis nicht durchsetzen kann oder will.

Literatur

See also: Zielkostenrechnung, 1970er, Betriebswirtschaftslehre, Controlling, Durchschnittskosten, Hans-Böckler-Stiftung, Kaizen, Kunde, Kundenorientierung, Lebenszyklus