Zonensystem
Der amerikanische Fotograf Ansel Adams entwickelte das Zonensystem zur präzisen Steuerung der Tonwerte eines Fotos schon bei der Aufnahme. Die Methode ist nur mit Hilfe eines Spotbelichtungsmessers und einigen Tests beherrschbar. Einfach ausgedrückt hat Adams es geschafft, die Übertragungskette von der Aufnahme (Kamera) über das Negativ bis zum fertigen Papierbild (dem Positiv) zu standardisieren. Motivhelligkeiten werden in vorher festgelegte Positivtonwerte übertragen.
Grundgedanke
Ansel Adams versteht das Zonensystem als wesentliche Voraussetzung für sein künstlerisches Konzept der Visualisierung. Ziel der Visualisierung ist, dass der Fotograf gedanklich die Wirkung eines Fotos auf den gewünschten Betrachter vorwegnimmt. Möchte der Fotograf z.B. einen düsteren, unheimlichen Eindruck beim Betrachter hervorrufen, würde eine "normale" Belichtung, die die die mittlere Helligkeit des Motivs als 18% Grauwert reproduziert sein Ziel verfehlen. Vielmehr müssen für dieses Ziel die bildwichtigen Motivteile deutlich dunkler als "normal" reproduziert werden. Um dieses künstlerische Ziel handwerklich beherrschbar zu machen, ist es erforderlich, in der gesamten Reproduktionskette von der Aufnahme bis zum Fotoabzug, bzw. bis zur Projektion, den Kontrastumfang der Aufnahme zu kontrollieren.
Der dem Zonensystem zugrundeliegende technische Gedanke ist der, dass der Kontrastumfang eines Fotopapiers (Dias, Monitors) geringer ist als der eines Filmes. Das führt dazu, dass z.B. in kontrastreichen Landschaftsaufnahmen die Skala der Grauwerte von Schwarz bis Weiß oft nicht befriedigend vom Negativ auf das Papier übertragen werden kann. Im Zonensystem wird versucht, die Darstellung der Kontraste im Negativ durch die Belichtung und die Entwicklung so zu steuern, dass sie dem Kontrastumfang von Fotopapier gerecht wird. Hier spielt Standardisierung eine wichtige Rolle: alle Faktoren wie Filmtyp oder -verarbeitung, Papiersorte sowie Entwicklertyp, -verdünnung und -temperatur werden von Anfang an festgelegt, damit man sich lediglich auf Belichtung und Entwicklungszeit des Negatives konzentrieren muss. Eine verlängerte Belichtung des Filmes bei verkürzter Entwicklung bewirkt feinere Grauwerte. Das Bild wird weicher. Eine verkürzte Belichtung in Kombination mit einer verlängerten Entwicklung lässt bei flauen Motivkontrasten die Schwarz- und Weißwerte deutlicher hervortreten, bewirkt also eine Kontraststeigerung.
Diese physikalischen Überlegungen gelten in gleicher Weise für jede Reproduktionskette. Also z.B. auch für den CCD-Sensor einer Digitalkamera, den Computermonitor und einen Tintenstrahlausdruck. In der Tat läßt sich das Zonensystem in einer digitalen Reproduktionskette wesentliche einfacher anwenden, als bei der analogen Technik.
Praktisch hat Adams den reproduzierbaren Kontrastumfang eines Fotos in zehn gleiche Zonen eingeteilt: (0) tiefschwarz ohne Zeichnung bis X papierweiß ohne Zeichnung, V neutralgrau 18%. Der kopierfähige Bereich umfaßt die Zonen I bis IX, der durchgezeichnete Bereich die Zonen II bis VII.
Wird mit einem Spotbelichtungsmesser (der Kamera oder als Handbelichtungsmesser) ein Motivteil angemessen, repräsentiert der Belichtungswert die Zone V 18% neutral Grau, da alle Belichtungsmesser hierauf geeicht sind. Es ist nun ohne Weiteres möglich, diesem Motivteil eine andere Zone zuzuordnen: Soll die Zone dunkel, aber mit Zeichnung im Bild dargestellt werden, muss sie der Zone III zugeordnet werden: Zeigt der Belichtungsmesser z.B. 1/30 s und f 8,0 an, muss mit 1/30 bei f 16 belichtet werden. Hieraus folgt nun, dass alle anderen Motivteile in Abhängigkeit von der gewählten Belichtung ebenfalls in eine der Zonen fallen. Es ist so vorhersehbar, in welcher Helligkeit die jeweils bildwichtigen Motivteile wiergegeben werden. Fällt z.B. ein anderer bildwichtiger Motivteil bei der gewählten Belichtung in Zone IX, daher weiß fast ohne Zeichnung, würde eine Bildwirkung entstehen, die möglicherweise nicht den Vorstellungen des Fotografen entspricht. Diese Überlegung zeigt, dass es keine "richtige" Belichtung gibt. Vielmehr gibt es nur eine - oderer mehrere - Belichtungen, die zu einem Bild führen, welches beim Betrachter die vom Fotografen erhoffte Wirkung hervoruft.
Adams führt zahlreiche Methoden der Eichung, Kontarstbeeinflussung etc. vor. Der Kern des Zonensystems läßt sich jedoch mit jeder Kamera - Bild - Reproduktionskette ohne großen Aufwand realisieren: Eine strukturierte Fläche, die in etwa mittlerem Grau entspricht (z.B. ein Fußabtreter) wird mit der gewählten Kamera-Film-Kombination (bzw. Digitalkameraeinstellung) "normal" foramtfüllenden aufgenommen. Es ergibt sich z.B.
1/30 f 8; dies entspricht Zone V, nun werden weitere Aufnahmen gemacht:
Zone IV 1/30 f 11 Zone III 1/30 f16 Zone II 1/30 f 22 Zone I 1/60 f 22 Zone 0 1/125 f 22
Zone VI 1/30 f5,6 Zone VII 1/30 f4 Zone VIII 1/15 f4 Zone IX 1/8 f4 Zone X 1/4 f4
Selbstverständlich kann jede andere Zeit/Blenden-Kombination gewählt werden, sofern sie zueinander jeweils den Abstand von einer Blendenstufe (=1 EV) hält. Hilfreich ist es, sich die Nummer des jeweiligen Bildes zusammen mit Belichtung und Zone zu notieren.
Jetzt werden die Aufnahmen in der gewünschten Art reproduziert (d.h. z.B. einfach ins Labor gegeben oder ausgedruckt). Bei Abzügen aus dem Labor ist es erforderlich, ein Labor zu wählen, dass die Möglichkeit bietet, auf die automatische Belichtungskorrektur zu verzichten, sonst werden alle Abzüge wieder als neutralgrau 18% reproduziert (geht in der Regel bei Fachhändlern oder z.B. bei www.farbglanz.de). Das Resultat zeigt den tatsächlichen Kontrastumfang der gewählten Reproduktionskette. Möglicherweise ist schon Zone III nicht mehr voll durchgezeichnet oder Zone VII die letzte nutzbare helle Zone mit Zeichnung.
Bei Negativfilmen kann nun die ermittelte hellste nutzbare Zone als Basiszone gewählt werden, auf die belichtet wird: Ist dies z.B. Zone VII, wird zukünftig das Motivteil angemessen, das gerade noch mit Zeichnung hell auf dem Abzug dargestellt werden soll. Daraufhin wird die Belichtung zwei Blenden oder Zeitstufen kleiner ( also statt f 8 f 4 oder statt 1/60 1/250) gewählt. Nun wird ermittelt in welche Zone der dunkelste bildwichtige Motivteil fällt. Liegt er innerhalb des ermittelten durchgezeichneten Bereichs ist die Belichtung optimal.
Bei Diafilmen wird umgekehrt die niedrigste nutzbare Zone als Basiszone gewählt. Dieses Vorgehen ist sinnvoll, weil bei Filmen die dunklen Stellen (bei Negativfilmen daher die hellen Bildteile) schneller "zulaufen" daher keine Zeichnung mehr zeigen, als die hellen Stellen. Die hellen Stellen lassen sich in der Nachbearbeitung besser korriegiern. Bei Dias für die Projektion müssen natürlich die hellen und dunklen Grenzen sofort passen.
Die Erfahrung zeigt, das Betrachter Aufnahmen als "gut" oder "richtig" belichtet empfinden, die den Kontrastumfang möglichst ausnutzen. Eine Gestaltungsmöglichkeit ist daher, darauf zu achten, dass das Motiv einen winzigen Motivteil enthält, der im Endprodukt ohne Zeichnung weiß und einen Motivteil, der ohne Zeichnung schwarz dargestellt wird. Die bildwichtigen Motivteile sollten im durchgezeichneten Bereich liegen.
Obwohl das Zonensystem ein - in Perfektion - anspruchvolles technisches Verfahren ist, bietet es jedem Fotografen eine einfache Möglichkeit, seine Aufnahmen bewußt kreativ zu gestalten.
Siehe auch
Literatur
- Adams, Ansel: Die Kamera. München, Christian Verlag, 1982.
- Adams, Ansel: Das Negativ. München, Christian Verlag, 1982.
- Adams, Ansel: Das Positiv. München, Christian Verlag, 1984.
- Fischer-Piel, Peter: Das Zonensystem in der Schwarzweiss- und Farbfotografie. Berlin, ikoo Buchverlag, 1986.
- Zakia, Richard; Lorenz, Peter; White, Minor: The New Zone System Manual. New York, Morgan & Morgan, 1979.
Kategorie:Fototechnik
