Zwangstaufe

Die Zwangstaufe ist die Taufe gegen den Willen des Täuflings. Ob bereits die Taufe ohne ausdrückliche Willenserklärung des Täuflings als Zwangstaufe zu bezeichnen ist, wird in den verschiedenen christlichen Kirchen kontrovers diskutiert. Sogenannte taufgesinnte Kirchengemeinschaften halten zum Beispiel die Taufe unmündiger Kinder in gewisser Weise ebenfalls für eine Zwangstaufe.

Nachdem das Christentum - initiiert durch die sogenannte Konstantinische Wende - Staatsreligion des Römischen Reiches geworden war, verwandte es alsbald Zwangsmittel, um Nichtchristen zu christianisieren.

Trotz der Erfahrungen während der Christenverfolgungen aus der Zeit des frühen Christentums kannte die christliche Heidenmission schon früh das Instrument der Zwangstaufe, um einen rascheren Erfolg zu sichern. Wenn ein Volks- oder Stammesführer durch friedliche oder gewaltsame Mittel für das Christentum gewonnen worden war, wurde die Taufe von allen Mitgliedern seines Volkes oder Stammes verlangt.

Auch gegenüber Juden wurde die Zwangstaufe oft eingesetzt, insbesondere an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert in Spanien. Bekannt ist das Instrument insbesondere aus der Germanenmission und aus den Sachsenkriegen Karls des Großen. Nach dem Decretum Gratiani wurde sie 1150 verboten. Der Verzicht auf dieses Mittel bedeutete für den Deutschen Orden eine Rechtfertigung, seine heidnischen Gegner trotz des Gottesfriedens immer wieder zu überfallen.

Zwangstaufen wurden in Deutschland und in Österreich auch noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts durchgeführt. Eltern, die wegen ihrer weltanschaulichen Überzeugung ihre Kinder nicht taufen lassen wollten, zum Beispiel Baptisten und Atheisten, wurden unter Androhung empfindlicher Strafen dazu gezwungen, in die Taufe ihrer Kinder einzuwilligen. Verweigerten sie dennoch ihre Zustimmung, ließen die staatskirchlichen Behörden die Kinder amtlich zur Taufe vorführen. Die Eltern hatten nicht nur dieses Verfahren zu bezahlen, sondern wurden darüber hinaus noch mit Gefängnis- und/oder Geldstrafen belegt.

Beim Auseinanderfallen Jugoslawiens wurde die Zwangstaufe von beiden Seiten eingesetzt, um über die katholische Taufe Serben zu Kroaten und über die orthodoxe Kroaten zu Serben zu machen.

Siehe auch

Weblinks

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See also: Zwangstaufe, 19. Jahrhundert, Atheisten, Baptisten, Christenverfolgung, Christianisierung, Decretum Gratiani, Deutscher Orden, Deutschland, Geschichte Spaniens